LUMBALSYNDROM
Lumbal-Syndrom, lumbaler Rückenschmerz
Die Schreibweise ist z.T. unterschiedlich, statt Lumbalsyndrom auch Lumbal-Syndrom.
Das Lumbalsyndrom ist ein Sammelbegriff für schmerzhafte Beschwerden, die aufgrund degenerativer (= abnutzungsbedingter) Wirbelsäulenveränderungen oder statisch-muskulär bedingter Störungen von der Lendenwirbelsäule ausgehen oder den Lendenwirbelsäulenbereich betreffen.
Etwa 30-40% unserer
Patienten klagen über Sch
merzen, die von der
Wirbelsäule
ausgehen oder dort empfunden werden. Die Wir
belsäule als statisches Achsenorgan ist in dieser Funktion großen
Belastungen ausgesetzt, entsprechend häufig treten Verschleißerscheinungen auf,
die über die physiologische Degeneration
(= normale Abnützung) hinausgehen und deshalb oft Beschwerden verursachen. Es ist jedoch stets
zu bedenken, daß auch höhergradige Verschleißprozesse nicht unbedingt mit Sch
merzen einhergehen müssen, auch gibt es
keine statistische Korrelation zwischen dem Ausmaß der abnutzungsbedingten
Veränderungen und der geklagten Schmerzintensität. Das Vorhandensein
abnutzungsbedingter Veränderungen, die theoretisch die geklagten Beschwerden
verursachen können, darf deshalb nicht dazu verleiten, eine weitergehende
Diagnostik (=
Maßnahmen zur Erkennung eines Krankheitsgeschehens)
zu unterlassen.
Vertebragene Sch
merzen
(= von der Wir
belsäule
ausgehende) können auf die
Schädigungsregion (Bewegung
ssegment) beschränkt bleiben und/oder in das Versorgungsgebiet eines
irritierten oder geschädigten
Nerven
(pseudoradikuläres
oder
radikuläres Syndrom)
ausstrahlen. Diffuse, in die Peripherie
(= in den äußeren Körperbereich)
projizierte Sch merzen ohne faßbare
Nervenstörung,
begleitet von Krankheitszeichen, die dem vegetativen, unwillkürlichen
Nervensystem zuzuordnen sind (z.B. örtlich vermehrte Schweißbildung), sprechen
für die Funktionsstörung des Grenzstranges
(= vegetative Nervenstrukturen
beiderseits der Wir
belsäule)
(Syndrom des sympath
ischen Grenzstranges, Thoden
1989).
Auflistung ver tebragener (= wirbelsäulenbedingter) Ursachen für ein Lumbalsyndrom (Lumbal-Syndrom, lumbaler Rückenschmerz):
Degenerative
Veränderungen
(= durch Abnutzung hervorgerufen)
-
Bandscheibenschäden (Bandscheibenvorwölbungen,
Bandscheibenvorfall)
- ligamentäre Insuffizienz
(= Funktionsstörung von
Haltebändern)
- Störung der gelenkigen Wirbelverbindungen
- knöcherne Veränderungen (Randzacken, Knochenwulste usw.)
- Einengung des Spinalkanals (Spinalkanalstenose
bzw.
Spinalstenose,
Wirbelkanalverengung,
Wirbelkanalstenose)
Mißbildungen
- angeborene (z.B. Spina bifida, Blockwirbel, Keilwirbel)
- Wachstumsstörung (z.B.
Skoliose,
Scheuermann Krankheit)
Entzündliche Erkrankungen
- Rheumatischer Formenkreis (z.B.
olymyalgia,
Bechterew Krankheit)
- Infektionserkrankungen (Spondylitis
z.B. durch Tbc, Staphylokokken)
Generalisierte Skeletterkrankungen
- (z.B.
Osteoporose, (=
Kochenschwund)
Osteomalazie)
Tumoren der Wir
belsäule
-
Primärtumoren (hauptsächlich Plasmozytom)
- Metastasen
Traumen (=
Verletzungen) (Frakturen)
Defekte, nicht verletzungsbedingte (z.B.
Spondylolyse,
Spondylolisthesis
(=
Wirbelgleiten,
Gleitwirbel)
Die Lendenwir
belsäule ist großen statisch-dynamischen Belastungen ausgesetzt, weshalb
hauptsächlich dieser Wirbelsäulenabschnitt von
Schmerzsyndrome
n betroffen ist.
Als Schmerzursache stehen wie bei der
Halswirbelsäule
übermäßige degenerative (= abnutzungsbedingte) Veränderungen im Vordergrund,
wobei der
Bandscheibe
eine Schlüsselrolle zufällt. Der Wassergehalt des Gallertkernes der Bandsc
hei
be nimmt im Laufe der Zeit ab und damit
die Elastizität, wodurch die Beweglichkeit beeinträchtigt wird. Der Faserring
verliert allmählich seine Haltefunktion, wird rissig und teilweise für die
Gallertmasse durchlässig. Bereits in dieser Phase sind
Bandscheibenvorfälle
möglich. Das Bewegungssegment wird durch diese
Bandscheibenveränderungen
nunmehr instabil, wodurch die Funktionsbewegungen beeinträchtigt werden. Die
Wirbelkörper können sich dann gegeneinander verschieben, worunter die kleinen
Wir
belgelenke besonders leiden und schließlich mit
arthrotischen (= krankhaften)
Veränderungen reagieren (Spondylarthrosen).
Mit zunehmender
Bandscheibendegeneration
(=
Bandscheibenabnutzung)
nähern sich die Wirbelkörper einander und reagieren mit Randzackenbildung (Spondylose)
und Sklerosierung (=
krankhafte Verhärtung) der
Deckplatten (Osteochondrose).
Allmählich kommt es zu einer Versteifung, die an sich der Entstehung von
Rückenschmerz
en entgegen wirkt ("wohltuende Versteifung im Alter"). Jede Phase dieser
fortschreitenden Degeneration kann im Bewegungssegment ein chronisches
Lumbalsyndrom verursachen, die
auch mit pseudorad
ikulärer
oder gar rad
ikulärer Symptomatik
(= Krankheitszeichen
die auf eine scheinbar oder tatsächlich geschädigte Ner
venwurzel zurückzuführen
sind) einhergehen können.
Verschleißprozesse, die über die normale, altersentsprechende Abnutzung
hinausgehen, können auch zu einer Verengung des Spinalkanals (Spinalkanalstenose)
führen und in den betroffenen Segmenten
Rücken
sch
merzen hervorrufen, bei entsprechendem Ausmaß
treten weitere Beschwerden hinzu (pseudorad
ikuläre, rad
ikuläre Ausstrahlungen in die
Beine,
Claudicatio spinalis
(= Funktionsbeeinträchtigung der
Beine aufgrund
einer
Durchblutungsstörung im
Rücken
mark)).
Die kleinen Wir
belgelenke, die wegen ihrer dachziegelartigen
Anordnung auch
Facettengelenke
genannt werden, können auch isoliert, also unabhängig vom Einfluß der
Bandscheibendegeneration
arthrotische Veränderungen erfahren und dann ebenfalls schmerzhafte
Blockierungen des Bewegungssegmentes hervorrufen.
Auch im Bereich der Foramina intervertebralia
(= Zwischenwirbellöcher)
können isolierte Störungen auftreten, die die zugehörigen Ner
venwurzeln irritieren oder gar schädigen
und dann zu einem
Rückenschmerz
führen.
Ein
Bandscheibenprolaps
(= Bandscheibenvorfall) erfolgt meist dorsolateral
(= seitlich und nach hinten)
und kann schon bei geringem Ausmaß das Bewegungssegment blockieren. In der
dorsolateralen Region kann aber auch die Ner
venwurzel direkt tangiert bzw.
eingeklemmt werden und ausstrahlende Krankheitszeichen bewirken (Nervenwurzelkompression).
90% aller
Bandscheibenvorfälle
finden in den Etagen L4/L5 und L5/S1 statt (Sehhati-Chafei 1988). Diese
bevorzugte Lokalisation führt dazu, daß häufig die Diagnose "Lumboischialgie"
gestellt wird, da die oberen Anteile des Plexus ischiadicus
(= Nervengeflecht aus dem der Ischiasnerv entstammt)
bzw. Plexus sacralis
(= Nervengeflecht im Bereich des Kreuzbeins) den
Nervenwurzel
n L4 und L5 entstammen.
Patienten mit einem
Lumbalsyndrom (Lumbal-Syndrom) nach
Bandscheibenoperationen
sind bezüglich einer
Schmerzbehandlung
sehr problematisch. Erfahrungsgemäß nimmt die Problematik mit jeder weiteren
Operation sogar noch zu. Der oben beschriebene typische Ablauf des
Abnutzungsprozesses macht deutlich, daß auch mit einer Operation die eigentliche
Schmerzursache ja nicht behoben werden kann, im Gegenteil, es besteht sogar die
Gefahr, daß der degenerative Prozeß noch beschleunigt wird. Mit jeder Operation
nimmt die Tendenz zur Instabilität zu, abgesehen von den zusätzlichen iatrogenen
(= durch die Operation verursachten) Gewebsschädigungen.
Nicht selten sehen wir Patienten, bei denen nach mehrfachen
Bandscheibenoperationen
wegen Instabilität eine
Spondylodese
(= operative
Wirbelsäulenversteifung)
durchgeführt werden mußte. Leider ist auch nach einer solchen, teilweisen Wir
belsäulenversteifung ein Großteil der
Patienten nicht beschwerdefrei. Es ist daher zu begrüßen, daß die Indikation
(= Anzeige)
zur
Bandscheibenoperation
in den letzten Jahren immer mehr eingeschränkt worden ist. Als Grund für eine
Operation ist das Krankheitszeichen "Lumbalsyndrom" in den Hintergrund getreten. Als relative
Indikation (=
Anzeige) gelten allenfalls
unerträgliche, therapieresistente
(= nichts hilft)
Sch
merzen.
Beim sog. Ca
uda-Synd
rom
(=
Rückenmarkschädigung mit Lähmung der
Beine),
ebenso bei motorischen Defiziten
(= Beeinträchtigungen der
Muskelfunktion), die unter
konservativer Therapie
(= Behandlung ohne Operation)
bestehen bleiben oder gar zunehmen, muß operiert werden, um eine Entlastung
herbeizuführen.
Ein segmentaler
Rückenschmerz mit
und ohne Schmerzausstrahlungen, kann auch von den Mus
keln neben der Wir
belsäule selbst und/oder den zugehörigen
Sehnen
ausgehen (myofasziales
Syndrom). Über den segmentalen Reflexbogen kann auch die benachbarte
Seite mit einbezogen werden, so daß das Bild eines ver
tebragenen
(= von der Wir
belsäule
ausgehenden)
Rückenschmerz
es vorgetäuscht wird.
Häufig geht ein Lumbalsyndrom
auch von den
Iliosakralgelenk
en (=
gelenk
artige Verbindung
zwischen
Darm
- und
Kreuzbein) (die sog.
Iliosakralgie) aus.
Meist liegen funktionelle Störungen vor, die betroffenen Patienten klagen
besonders bei Rumpfbeugung, verbunden mit Drehung, über Sch
merzen im lumbosakralen Übergangsbereich
(= unterer Lendenwir
belsäulen-
und oberer Kreuzbeinbereich), aber
auch typischerweise über Sch
merzen im Bereich der Spina iliaca
posterior superior (=
hinterer oberer Darmbeinstachel) mit
unspezifischen Ausstrahlungen in die
Beine (Gesäß,
hinterer und seitlicher
Oberschenkel bis
zur
Wade und evtl.
Ferse).
Neurologische Ausfälle
(=
Nervenstörungen)
bestehen nicht. Häufiger kommen diese Patienten mit der (falschen) Diagnose „Ischiolumbalgie“.
Grobe Hinweise auf die Art
der Schädigung liefern die Abfrage der Vorgeschichte und Beschwerdebild.
Wird ein Lumbalsyndrom bei Beanspruchung der Wir
belsäule verstärkt oder ausgelöst, so
sind die
Bewegung
ssegmente beteiligt.
Ein Lumbalsyndrom, das
von der Wirbelsäulenfunktion unabhängig ist, spricht mehr für Störungen im
Bereich der Wirbelkörper.
Ein Lumbalsyndrom, das
von
Muskeln und deren
Bindegewebsumhüllung ausgeht (sog. muskuloskelettaler oder myofasz
ialer Ursprung) wird durch
Wirbelsäulenbelastungen und -bewegungen ebenfalls verstärkt, unterliegt aber
häufig klimatischen Einflüssen, d.h., es tritt in der kälteren Jahreszeit
bevorzugt auf. Oft berichten die Patienten, sie hätten sich "verkühlt".
Ein akut auftretendes Lumbalsyndrom ist häufig
bandscheibenbedingt, kann aber auch durch eine akute Segmentblockierung (hpts.
kleine Wir
belgelenke) ausgelöst werden.
Ein akutes Lumbalsyndrom, das mit einer monorad
ikulären Symptomatik
(= Krankheitszeichen 1 Ner
venwurzel betreffend) einhergeht, ist ein sicheres Anzeichen für einen Bandscheibenvor
fall, gleiches gilt für akute Sch
merzen im Zusammenhang mit einem Ca
uda-Synd
rom
(= Rückenmarkschädigung mit
Lähmung der Bei
ne).
Ein
Lumbalsyndrom, das sich beim Husten und Pressen
verstärkt, ist typisch für ein
Nervenwurzelkompressionssyndrom bzw.
Radikulopathie
(= Erkrankung /
Störung einer
Nervenwurzel), z.B. infolge einer
Bandscheibenprotrusion
(=
Bandscheibenvorwölbungen)
oder gar eines
Bandscheibenprolaps
(=
Bandscheibenvorfall).
Ein Lumbalsyndrom, das bei Erschütterung (verstärkt) auftritt,
kann von einer
Spondylitis
(= En
tzündung an der Wir
belsäule)
verursacht werden.
Ein Lumbalsyndrom, das bevorzugt nachts und morgens auftritt,
weist auf eine generalisierte
(= allgemeine)
Wirbelsäulenerkrankung
hin, z.B.
Morbus Bechterew oder
Osteoporose.
Auch auf den Ort der
Schädigung lassen sich bereits aus dem Beschwerdebild Rückschlüsse ziehen.
Sch
merzen und Störungen der (Berührungs-)
Empfindlichkeit im Bereich ober- und unterhalb des Leistenbandes weisen auf die
Ner
venwurzeln L1
(= 1. Segment der Lendenwir
belsäule)
und L2 hin. Die L3-Wurzel macht sich am vorderen inneren Oberschenkel
bemerkbar.
Die
Meralgia paraesthetica
(=
Schm
erzstörung im
Bereich des Nervus cutaneus femoris lateralis, rumpfnahe an der Außenseite des
Oberschenkels) ist dagegen eine
periphere (= mehr
oberflächliche)
Nervenstörung.
Sch
merzen und Störungen der (Berührungs-)
Empfindlichkeit vom vorderen inneren
Oberschenkel bis
zur
Schienbein
vorderfläche reichend, betreffen die Wurzel L4. sp;
Beschwerden, die von der Außenfläche des Oberschenkels über den äußeren
seitlichen
Unterschenkel zum
Fußrücken
und zur Groß
zehe ziehen, sind
L5 zugeordnet, während die S1-Wurzel
(= 1. Ner venwurzel im Kr euzbeinbereich)
für den hinteren Oberschen
kel, hinteren seitlichen
Unterschenkel,
seitlichen
Fuß
rand und die
Zehen 3-5
verantwortlich ist.
Medikamentöse Schmerzbehandlung beim Lumbalsyndrom
(Lumbal-Syndrom, lumbaler Rückenschmerz):
Akut und subakut können beim Lumbalsyndrom zunächst
(vorwiegend) peripher wirkende Analgetika
(=
Schmerzmittel, die am Ort der Schmerzentstehung wirken)
eingesetzt werden, insbesondere sog. nicht steroidale Antirheumatika
(= Rheumamittel),
aus dieser Gruppe möglichst lang
wirkende und
magen schonende wie z.B.
Meloxicam. Besonders magenschonend sind die sog. COX-2 Inhibitoren, z.B.
Parecoxib oder Etoricoxib, allerdings scheint diese Stoffgruppe mit einem
Herz-/Kreislauf-Risiko verbunden zu sein, zumindest bei längerer Therapiedauer.
Es bleibt abzuwarten, ob Parecoxib und Etoricoxib nicht auch noch vom Markt
genommen werden, wie schon andere Mittel dieser Stoffgruppe zuvor.
Manchmal sind aber die
Schmerz
zustände nur mit zentralwirkenden Analgetika (z.B. Tramadol,
Tilidin, bzw. Tilidin mit Naloxon oder auch Mophin)
(= im Gehirn bzw.
Rücken
mark wirkende
Schmerzmittel)
beherrschbar.
Bei stärkeren schmerzhaften Muskelverspannungen können darüber hinaus auch
Muskel
relaxanzien (=
Mittel zur Entspannung von
Muskeln)
(z.B. Orphenadrin, Tolperison) verordnet werden.
Grundsätzlich sollte aber auch beim
Lumbalsyndrom eine längerfristige Schmerzmittelverordnung wegen
der Gefahr der Gewöhnung oder gar
Schmerzmittelabhängigkeit
vermieden werden. Die Kombination mit schmerzdistanzierenden
Antidepressiva
(= Mittel gegen Depression,
u.a. aber auch bei diesen Schmer
zen hilfreich)
(z.B. Doxepin, Maprotilin) hilft in vielen Fällen Schmerzmittel
einzusparen.
Therapeutische Lokalanästhesie
(= Behandlung mit
einem örtlichen Betäubungsmittel bzw.
Lokalanästhetika) beim
Lumbalsyndrom (Lumbal-Syndrom,
lumbaler Rückenschmerz):
Bei einem anhaltenden Lumbalsyndrom sollten rechtzeitig
alternative Methoden eingesetzt werden. Eine sehr wirksame Alternative, ohne
jedes Gewöhnungs- oder Suchtpotential, ist die therapeutische Lokalanästhesie
mit einem langwirkenden örtlichen Betäubungsmittel (z.B.
Bupivacain) in Form von örtlichen Betäubungen und
Nervenblockaden.
Infiltrative
Lokalanästhesie (=
Infiltration mit einem örtlichen Betäubungsmittel)
bei Lumbalsyndrom:
Die einfachste diesbezügliche
Therapie besteht in der örtlichen Infiltration der meist verspannten, an die Wir
belsäule angrenzenden Mus
kulatur. Je nach segmentaler Ausdehnung
reichen ca. 5-10 ml Bupivacain 0,25% bis 0,5% völlig aus. Eine weitere
Möglichkeit ist die gezielte Infiltration von Triggerpunkten
(= kleine Reizzonen hpts. in der Mus
kulatur)
nach vorheriger Identifizierung derselben.
Wird das Lumbalsyndrom durch abgenutzte, entzündliche oder
irritierte Inter
ver
tebralgelenke (= kleine Gelen
ke zwischen den Wirbeln)
verursacht, sind Infiltrationen der betroffenen kleinen Gelen
ke erfolgversprechend. Kortison- Zusatz
kann den Heilungsprozeß beschleunigen.
Der Beweis für ein "Facettensyndrom"
(=
Schmerzstörung im
Bereich der kleinen Wir
belgelenke)
als Schmerzursache, ist letztlich nur durch den Erfolg einer probatorischen
(= zur Sicherung der Diagnose durchgeführten)
Facet
ten-Betäubung zu erbringen. Langzeiterfolge
durch Thermokoagulation
(= Verkochung / Zerstörung mit
Hochfrequenzstrom) der Facet
ten sind nicht gesichert.
Periphere temporäre
(= oberflächliche, zeitlich begrenzte)
Ner
ven- und rückenmarknahe
Blockaden beim Lumbalsyndrom
(Lumbal-Syndrom, lumbaler
Rückenschmerz):
Zur Unterbrechung segmentaler Reflexkreise, aber auch zur Therapie von
Schmerzausstrahlungen eignen sich bei Rüc
k
enschmerzen Blockaden
(= Betäubungen)
der korrespondierenden Ner
venwurzeln
(= im Schmerzbereich befindliche Nervenaustrittstellen neben der Wir
belsäule).
Im Bereich der Be
ine können bei entsprechender rad
ikulärer oder pseudorad
ikulärer Schmerzausstrahlung
(= Schme
rzen die auf eine
tatsächlich oder scheinbar geschädigte Ner
venwurzel zurückzuführen sind)
der vordere Oberschenkelnerv (N. femoralis) und / oder der
Ischias nerv wiederholt
blockiert werden, in hartnäckigen Fällen mit Katheter (* siehe unten).
Bei Schmerzausstrahlung in den Bereich des seitlichen und inneren Oberschenkels
gelingt mit der sog. 3-in-1-Variante die zusätzliche Betäubung der Ner
ven obturatorius und cutaneus femoris
lateralis, deshalb auch geeignet zur Behandlung der Meralg
ia paraesthet
ica
(= br
ennende Schmer
zen an der Oberschen
kelaußenseite).
Die lum
bale Periduralblockade
(= rückenmarknahe Betäubung im Lendenbereich),
insbesondere
kontinuierlich mit Katheter*, ist eine sehr effektive
Therapiemaßnahme, die allerdings nur unter stationären Bedingungen durchgeführt
werden sollte. Bei technischer Beherrschung, adäquater
Lokalanästhetika-Dosierung und Beachtung der hygienischen Belange kann das
Risiko bei der Anzeige "Rüc
k
enschmerzen" als vertretbar eingestuft
werden.
Wenn eine Periduralblockade technisch schwer oder nicht durchführbar ist (z.B.
bei Mißbildungen, Zustand nach operativer Wir
belsäulenversteifung usw.), bietet sich
besonders bei Störungen im Bereich des Plexus sacralis (= Nervengeflecht im Bereich des Kreuzbeins)
die sog. Kaudalanäst
hesie (= rückenmarknahe Betäubung durch einen Kanal im
Kreuz
bein
hindurch) an, die auch mit Katheter*
möglich ist, sofern dieser wegen der der Gefahr einer En
tzündung seitlich unter der Haut mittels einer Untertunnelung weggeführt
wird. Erhöht man die Menge des örtlichen Betäubungsmittels (z.B. 20-25ml
Bupivacain 0,1 bis 0,15 %) kann auch der obere Lendenbereich erreicht werden.
Statt mit einem örtlichen Betäubungsmittel können die aufgeführten, rückenmarknahen Blockaden auch mit einer verdünnten Morphin-Lösung durchgeführt werden, allerdings ist dabei die oft zu beobachtende, über die Behandlungszeit hinaus anhaltende Wirkung deutlich weniger ausgeprägt. Bei einem sehr schweren und sonst kaum behandelbaren Rückenschmerz kann zur Durchführung rückenmarknaher Blockaden auch eine kleine Schmerzpumpe unter die Haut gepflanzt werden. Das Arzneimittelreservoir der Pumpe wird dann in bestimmten Zeitabständen durch die Haut hindurch mit Hilfe einer Spritze wieder aufgefüllt.
* Bei der sog. kontinuierlichen Blockade mit Katheter wird der dünne Kunststoffschlauch dicht an Nervengeflechte bzw. den betroffenen Ner ven eingepflanzt. Die Einpflanzung erfolgt durch eine handelsübliche Kanüle hindurch, es muß also nicht „aufgeschnitten“ werden. In der Folge wird über diesen Katheter mehrmals täglich, jeweils nach Abklingen der vorangegangenen Dosis, das örtliche Betäubungsmittel völlig schmerzlos nachgespritzt. In bestimmten Fällen kann zur Verabreichung des Lokalanästhetikum (= örtliche Betäubungsmittel) durch den Katheter hindurch auch eine kleine Pumpe angeschlossen werden. Das örtliche Betäubungsmittel wird bei dieser Behandlung so dosiert, dass die grobe Kraft erhalten bleibt (bei gleichzeitiger Hemmung der Schmerzreizleitung), damit begleitend krankengymnastische Übungsbehandlungen möglich bleiben. Dass die schmerzlindernde Wirkung i.d.R. über die eigentliche Behandlungszeit hinaus anhält, ist u.a. darauf zurückzuführen, daß bei dieser Blockadebehandlung auch die sog. vegetativen Ner ven betroffen sind, woraus eine sehr deutliche Durchblutungssteigerung resultiert. Dies ist der Grund, warum diese Behandlungsmethode besonders bei Sch merzen, die durch entzündliche und degenerative Prozesse entstanden sind, hilfreich ist. Nach neueren Erkenntnissen vermag eine solche, intensive, längerfristige Blockadebehandlung auch das sog. Sch merz gedächtnis zu löschen.
Physikalische Therapie
beim Lumbal-Syndrom (lumbaler
Rückenschmerz):
Auch eine Elektrostimulation kann beim Lumbalsyndrom eine
Beschwerdelinderung herbeiführen. Die transkutane Nervenstimulation mit
Niederfrequenzgenerator über Klebeelektroden (TENS) hat den Vorteil, daß sich
die Patienten bei Bedarf selbst behandeln können. Die Elektroden werden paarig
neben der Wir
belsäule im Schmerzbereich aufgeklebt. Durch
Veränderung der Stimulationsfrequenz und der Elektrodengröße kann die Wirkung
optimiert werden. Die elektrische epidurale Rückenmarksstimulation
erfordert eine strenge Patientenauswahl.
Eine weitere physikalische Behandlungsmöglichkeit ist die oberflächliche
Kältetherapie im Schmerzbereich. Wir verwenden einen elektrischen
Kaltluftgenerator, dessen Luftstrom auf ca. -10 bis -15 Grad C abgekühlt ist.
Manche Patienten mit einem Lumbalsyndrom (gilt auch für andere
Rückenschmerz en) empfinden
allerdings lokale Wärmeapplikationen (Rotlicht) als besser wirksam. Warme
Bäder können ebenfalls Rückenschmerz en lindern.
Die Verordnung von Massagen ist auch beim Lumbalsyndrom
nicht sinnvoll. Für den Patient mag diese Behandlung zwar angenehm sein, aber
unter schmerztherapeutischem Aspekt bringt sie nichts und führt nur zu unnötigen
Kosten.
Nahezu unverzichtbar ist aber beim Lumbalsyndrom die heilgymnastische
Therapie (auch
Rückenschule), da
meist nur diese geeignet ist, einen ärztlichen Behandlungserfolg zu sichern und
längerfristig zu stabilisieren. Dabei gilt es, die Mus
kulatur neben der Wir
belsäule zu trainieren, da auf Dauer nur
eine kräftige/suffiziente Mus
kulatur eine statische und dynamische
Schwäche des Achsenorgans kompensieren kann.
Besonders bei akuten Blockierungen hat die manuelle Therapie (Chirotherapie)
bei der Anzeige „Rüc
k
enschmerzen“ durchaus gute Erfolge
aufzuweisen. Bei schmerzhaften degenerativen (= durch Abnutzung hervorgerufenen) Veränderungen der Wir
belsäule wird auch eine
Röntgenbestrahlung empfohlen (Thomalske 1991). Eine
Magnetfeldtherapie (pulsierende
Signaltherapie) kann bei Lumbalsyndrom ebenfalls
hilfreich sein.
Andere Therapiemaßnahmen
bei einem Lumbal-Syndrom (lumbaler
Rückenschmerz):
Der Vollständigkeit halber darf die
Akupunktur
(Schmerzakupunktur)
nicht unerwähnt bleiben.
Wichtig sind individuelle Instruktionen zur richtigen Haltung und
Vermeidung von übermäßigen Wirbelsäulenbelastungen (funktionelle Ergotherapie
bzw.
Rückenschule).
Darüber hinaus ist anzustreben, daß die betroffenen Patienten Übungen zur
Lockerung der Mus
kulatur erlernen. Die Verordnung von
Hilfsmitteln wie z.B. stabilisierende Korsette sollten dem Orthopäden
vorbehalten sein.
Hypnoide (=
bewußtseinsverändernde) Verfahren
wie autogenes Training oder progressive Relaxation nach Jakobson sind auch beim
Lumbalsyndrom eine sinnvolle Ergänzung der Gesamtstrategie, da
auch sie zu einer muskulären Entspannung führen, ebenso
Biofeedback (=
Registrierung und Rückmeldung bioelektrischer Signale).
Psychotherapeutische Interventionen
können beim ausgeprägten "psychosomatischen Sch merz" angezeigt sein, da auch
verdrängte Konflikte muskuläre Verspannungen und Sch
merzen verstärken können.
Besteht ein chronisches Lumbal-Syndrom längerfristig, so ist davon auszugehen, daß bereits ein Chronifizierungsgrad II oder III (Mainzer Stadieneinteilung) vorliegt. In diesen Fällen ist eine rein somatische (= körperliche) Behandlung kaum mehr ausreichend, sondern es müssen zusätzlich psychologisch /psychotherapeutische Interventionen erfolgen.
Die Methoden der modernen Schmerztherapie bieten auch optimale Voraussetzungen für eine Anschlußheilbehandlung (AHB) bzw. Anschlußrehabilitation, weil damit die betroffenen Patienten oftmals überhaupt erst in einen rehabilitationsfähigen Zustand gebracht werden können. Mehr darüber erfahren Sie hier: http://www.anschlussheilbehandlung.co.uk (einfach anklicken).
Wußten Sie schon,
daß alle gesetzlich krankenversicherte Personen einen Rechtsanspruch auf eine
Rehabilitation haben und sich ihre Rehabilitationseinrichtung sogar selbst
aussuchen können ? - Lesen Sie dazu die Ausführungen des Bundesministeriums für
Gesundheit:
http://www.die-gesundheitsreform.de/gesundheitssystem/themen_az/infoblaetter/rehabilitation/index.html?param=st
(einfach anklicken)
a
Ist eine Rentenversicherung Kostenträger, besteht diese Wahlmöglichkeit nicht,
aber:
Sozialgerichte stärken die Rechte von Schmerzpatienten gegenüber den Rentenversicherungen.
Danach hat ein Schmerzpatient
ein Recht darauf , in einer
schmerztherapeutischen Klinik
behandelt zu werden.
Hier
gelangen Sie zu einem 1. Urteil (Sozialgericht Kassel) (Pressemitteilung dazu:
http://www.pressetext.de/pte.mc?pte=051207009&phrase=schmerzklinik) Mittlerweile gibt es diesbezüglich
zwei weitere Urteile, so vom
Landessozialgericht Hamburg:
www.schmerzklinik.com/sozialgericht2
(Pressekommentar dazu:
https://www.pressetext.at/pte.mc?pte=070710027&phrase=Schmerzklinik)
und vom Sozialgericht Köln erging eine entsprechende, einstweilige Verfügung in
nur 23 (!!) Tagen:
www.schmerzklinik.com/sozialgericht3.
Aktualisiert: >11.9.2007</>
kusb
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F
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G
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H
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I
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